Carica Stories redaktionelle Leitlinie

In der heutigen Kinder- und Jugendmedienbranche lebt Inhalt nicht mehr nur im Buch. Junge Leserinnen und Leser begegnen Geschichten über eBooks, Audio, Apps und Web Experiences – und manchmal sogar in mehreren Formaten zugleich. Wie OECD und UNICEF zeigen, ist die digitale Umgebung zu einem zentralen Bestandteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen geworden: für Lernen, Unterhaltung und Kommunikation gleichermaßen – mit großen Chancen auf der einen, aber auch mit realen Risiken auf der anderen Seite. Laut OECD verfügen 98 % der 15-Jährigen in ihren Mitgliedstaaten über ein internetfähiges Smartphone. UNICEF betont zugleich, dass die Wirkung von Technologie auf Kinder weder linear noch einfach ist, sondern in hohem Maß davon abhängt, welchen Inhalten und welchen Erfahrungen sie ausgesetzt sind.

Vor diesem Hintergrund versteht Carica Stories redaktionelle Leitlinien nicht als starres internes Dokument, sondern als einen Code of Practice, der unsere Vorstellung davon ausdrückt, welche Inhalte Kinder und Jugendliche überhaupt erreichen sollten. Wir wollen Geschichten und Erfahrungen, die die Altersgruppe, an die sie sich richten, respektieren – die ihnen die Welt nicht von oben herab erklären und nicht versuchen, Aufmerksamkeit durch billige Reize, Schockeffekte oder die Normalisierung schädlicher Verhaltensweisen zu gewinnen, selbst dann nicht, wenn diese humorvoll oder normalisiert präsentiert werden. Gerade im Bereich Young Adult (Jugendliche und Junge Erwachsene) ist das inzwischen weit verbreitet. Für Carica Stories reicht es daher nicht aus, dass ein Inhalt rein formal „altersgerecht“ ist; er muss auch in seiner Sprache, seinen Bildern und seinen Botschaften sensibel, wertschätzend und verantwortungsvoll sein.

Deshalb setzen wir von Anfang an klare Maßstäbe: Wir lehnen in unseren Texten die Präsenz oder Verherrlichung von Drogen, Tabak, Glücksspiel, Alkohol, verklärte Gewalt, sexualisierten Anspielungen,  sowie das Gutheißen von Mobbing, Rassismus, Ausgrenzung oder Body Shaming ab. Ebenso lehnen wir Stereotype, Exotisierung sowie den Einsatz von Selbstverletzung, Essstörungen oder Suizid als einfache dramatische Mittel ab. Im visuellen und auditiven Bereich achten wir darauf, dass Figuren, Kleidung und Darstellungen altersgerecht und sensibel sind und dass Gefühle und Herausforderungen ohne rohe Gewalt, unnötige Härte oder Vulgarität vermittelt werden.

Denn Kinder brauchen Inhalte, die ihrer Sensibilität und frühen Entwicklungsphasen gerecht werden, während Jugendliche und Junge Erwachsene Inhalte brauchen, die ihre Fragen, die Komplexität ihrer Lebenssituation und ihre psychischen und sozialen Veränderungen ernst nehmen – ohne Banalisierung oder künstliche Zuspitzung. Carica Stories will weder oberflächliche Inhalte unter dem Vorwand, sie seien „leicht“, noch schockierende Inhalte unter dem Vorwand, sie seien „mutig“ anbieten. Stattdessen vermitteln wir intelligente Inhalte, die jede Altersstufe in ihrer eigenen Sprache und mit dem passenden Maß an Tiefe, Klarheit und Verantwortung anspricht.

Der Kern unserer Leitlinie erschöpft sich jedoch nicht im Verbieten. Entscheidend ist, was wir stattdessen aufbauen wollen. Wir wählen Inhalten, die Vorstellungskraft in einer digital von Bildern überladenen Welt, Problemlösung, Neugier, Empathie, und Respekt fördern – und Kindern wie Jugendlichen einen sicheren Raum geben, um komplexe Gefühle zu verstehen und mit ihnen umzugehen. In diesem Sinn verstehen wir Edutainment nicht als oberflächliche Mischung aus Bildung und Unterhaltung, sondern als systematisch konzipierte narrative Erfahrung, die Lernen ermöglicht, ohne das Staunen zu zerstören, und Spiel bzw. Interaktion zulässt, ohne den Sinn zu verlieren.

Im digitalen Bereich wird unsere klare Haltung noch wichtiger. Die Europäische Kommission betont im Rahmen des Digital Services Act (DSA), dass Plattformen, die Minderjährigen zugänglich sind, ein hohes Maß an Privacy, Safety and Security gewährleisten müssen. Ebenso ist targeted advertising, das sich an Minderjährige richtet, verboten. Die Empfehlungen der Kommission zum Schutz Minderjähriger richten den Fokus ausdrücklich auf den Widerstand gegen addictive design, Cybermobbing, schädliche Inhalte und unerwünschte Kontaktaufnahme durch Fremde. Deshalb betrachten wir privacy by design als Teil derselben redaktionellen Leitlinie und nicht als bloßes technisches Detail im Nachhinein: Für das Sammeln personenbezogener Daten von Kindern oder Jugendlichen, für Tracking, Gesichtserkennung oder jede Form digitaler Gestaltung, die junge Leserinnen und Leser ausnutzt, statt ihnen zu dienen, ist bei uns kein Platz.

Zugleich beruht dieser Ansatz nicht auf überspitzter moralischer Skepsis gegenüber neuen Technologien, sondern auf einem ausgewogenen Verständnis. UNICEF weist darauf hin, dass die Debatte über Bildschirmzeit allein nicht ausreicht und dass die wichtigere Frage lautet: Welche Art von Inhalten sieht ein Kind oder ein Jugendlicher – und welche Erfahrungen macht es dadurch? UNICEF betont außerdem, wie wichtig es ist, alternative Inhalte zu fördern, die sinnvoll und altersgerecht gestaltet sind, die Rechte des Kindes respektieren und sein Wohlbefinden stärken. In ähnlicher Weise ruft die OECD zu einem Ansatz auf, der Schutz und Befähigung (Empowerment) zusammen denkt, und macht deutlich, dass das digitale Wohlbefinden junger Menschen evidenzbasierte Politik, Sicherheitsmerkmale in digitalen Diensten und klare Orientierung für pädagogisches Fachpersonal und Eltern braucht. Das entspricht genau unserer Haltung: Wir sind weder gegen Technologie, noch für pauschale Verbote, sondern für bessere Inhalte, verantwortungsvolleres Design und menschlichere Erfahrungen.

Deshalb erstreckt sich die redaktionelle Leitlinie von Carica Stories auf alle Formate, mit denen wir arbeiten: Bücher, Audio, Apps, Web und hybride Formate. Sie fragt nicht nur: „Ist dieses Werk schön?“, sondern auch: „Ist dieses Werk Kindern oder Jugendlichen gegenüber verantwortungsvoll? Baut es Vertrauen auf? Öffnet und erweitert es Horizonte? Fördert es langfristige Potentiale, ohne zu schaden, zu trivialisieren oder zu verkürzen?“ Wir glauben, dass die Zukunft von Inhalten für Kinder und Jugendliche weder einzig auf Geschwindigkeit noch allein auf Algorithmen aufgebaut werden kann, sondern auf der Verbindung von Storytelling, Verantwortung, Imagination und ethischem Design. Und genau das ist für uns die eigentliche Investition in die Zukunft. 

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