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Eine neue Nominierung bestätigt unser Vertrauen in globale Kinderliteratur

Wir bei Carica Stories freuen uns, die Nominierung des färöischen Buches „Í morgin fari eg aftur at spæla við babba“ (Morgen spiele ich wieder mit Papa) für den West Nordic Council Children’s and Youth Literature Prize 2026 bekanntzugeben. Das Buch von Helena Kannuberg (Text) und Lena Nicolajsen (Illustration) erschien 2024 bei Bókadeild Føroya Lærarafelags und wird voraussichtlich in einigen Monaten auf Deutsch bei uns veröffentlicht. Laut der offiziellen Mitteilung ist das Buch der Beitrag der Färör Inseln und gehört damit zu nur drei nominierten Werken aus den Färöer Inseln, Island und Grönland in diesem Jahr.
Was diese Nachricht für Carica Stories bedeutsam macht, hängt nicht nur mit der Idee einer „Nominierung“ als symbolischer Auszeichnung zusammen, sondern auch mit dem, was diese Auswahl über die Art von Literatur erkennen lässt, der wir uns annähern und in die wir investieren möchten. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben, wurde erstmals 2002 ausgeschrieben, ist mit 60.000 DKK dotiert und hat das zentrale Ziel, die Präsenz von Kinder- und Jugendliteratur im westnordischen Raum zu stärken. Das verleiht der Nominierung ein Gewicht, das über mediale Aufmerksamkeit hinausgeht; sie ist auch ein klares Zeichen für den literarischen und kulturellen Wert des Werks in einem spezialisierten Umfeld, das für seine Sensibilität gegenüber der Qualität von Text und Bild gleichermaßen bekannt ist.
Das Buch selbst ist genau die Art von Titel, die uns redaktionell interessiert. Im Mittelpunkt steht der Junge Ári, der das Spielen liebt – besonders dann, wenn er gemeinsam mit seinem Vater als Monster tobt und mit ihm Zugstrecken baut. Doch als der Vater erkrankt, verändert sich der Rhythmus des Alltags. Die Eltern reisen von den Färör Inseln nach Dänemark, damit der Vater behandelt werden kann, während Ári und seine kleine Schwester in der Obhut der Großmutter bleiben. Aus dieser zugleich schlichten und schmerzhaften Veränderung heraus erzählt das Buch die Erfahrung eines Kindes, das versucht, Abwesenheit, Angst, Sehnsucht und die Veränderung seiner Welt zu begreifen. Wie der Verlag selbst beschreibt, begegnen der Text von Helena Kannuberg und die Illustrationen von Lena Nicolajsen diesem Thema mit warmer Menschlichkeit und einer poetischen Bildsprache, die Raum für Nachdenken und Gespräch eröffnet – ohne pädagogische Direktheit oder emotionales Pathos. Zugleich behandelt das Buch auf sanfte Weise das Thema psychischer Erkrankung innerhalb der Familie und den Umgang damit. Der Titel lässt sich sowohl in allgemeinen, nicht spezifisch eingebetteten Kontexten lesen als auch in solchen, in denen Krankheit oder die Abwesenheit eines Familienmitglieds, der Bedarf an alltäglicher und psychischer Unterstützung sowie die zentrale Rolle der Familie in der Begleitung im Vordergrund stehen.
Genau das ist die Art von Buch, die wir für die Zukunft von Kinder- und Jugendverlagswesen und Edutainment für wichtig halten: Bücher, die Kinder ernst nehmen, ihre Gefühle respektieren und ein schwieriges Thema aus ihrer eigenen Welt heraus behandeln, statt von oben herab. Wir sind davon überzeugt, dass gute Inhalte für Kinder nicht nur solche sind, die ihnen die Welt erklären, sondern ihnen helfen, sie zu fühlen, zu verstehen und über sie zu sprechen. Wenn ein Bilderbuch eine komplexe Erfahrung wie Krankheit, Warten und Vermissen in einen sicheren Raum für Lesen und Gespräch verwandelt, ist es mehr als nur ein schönes Buch; es wird zu einem kulturellen und pädagogischen Werkzeug mit langfristiger Wirkung.
Diese Nominierung bestätigt für uns einmal mehr, wie wichtig es ist, sich auch für Kinderliteraturen aus kleineren Sprachräumen, marginalisierten Märkten und weniger repräsentierten kulturellen Kontexten zu öffnen. Einige der ehrlichsten und innovativsten Bücher entstehen gerade in solchen sprachlichen und kulturellen Zusammenhängen, die auf dem internationalen Markt nicht immer im Vordergrund stehen, die jedoch eine außergewöhnliche künstlerische und menschliche Sensibilität mitbringen – und genau darauf liegt der Fokus von Carica Stories. Unser Interesse an diesem Titel gründet sich dabei nicht allein auf seinen literarischen Wert, sondern auch auf unserer Überzeugung, dass die Zukunft des kindergerichteten Publizierens mehr Vielfalt, Vorstellungskraft und redaktionellen Mut in der Auswahl jener Geschichten braucht, die es verdienen, gelesen, übersetzt und gelebt zu werden.
Für Carica Stories wurde dieses Buch von Kata Veress aus dem Färöischen ins Deutsche übersetzt.
Bestellen könnt ihr das Buch hier.
